Gesundheitsbildung und Krankheitsvermeidung - Zwei komplementäre Perspektiven in der modernen Medizin und Zahnmedizin von Dr. Erich Wühr |
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| Bereits 1948 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit
als einen Zustand des vollkommenen psychischen und physischen Wohlbefindens
definiert. (1) Diese Formulierung wurde später erweitert
und präzisiert: Gesundheit als Zustand des optimalen bio-psycho-sozialen
Wohlbefindens! Diese Definition entspricht einer modernen und ganzheitlichen
Betrachtungsweise des biologischen Systems "Mensch" im Netzwerk
seiner biologischen, sozialen und ökologischen Umweltsysteme. Allerdings
ist es seitdem nicht gelungen, diese Definition zur Grundlage medizinischen
Denkens und Handelns zu machen. Tagtäglich handeln und behandeln Ärzte
klinisch und ambulant aus einer krankheitsorientierten Perspektive. Präventive,
also krankheitsvermeidende Maßnahmen führen ein Schattendasein.
Von gesundheitsbildenden Maßnahmen ist nahezu gar nicht die Rede.
Dies gilt leider auch in der Szene der naturheilkundlich orientierten Ärzte
und Zahnärzte: Auch diese Denken und Handeln vornehmlich krankheitsorientiert.
Oft drängt sich sogar der Eindruck auf, dass lediglich allopathische
Medikamente durch natürliche Medikamente ersetzt werden.
Auch in der Öffentlichkeit sind wir weit davon entfernt, dass die Perspektiven der Gesundheitsbildung und der Krankheitsvermeidung die gleiche Bedeutung hätte wie die Perspektive der Krankheitsbehandlung: Politik, Medien, Standesvertretungen, Kostenträger und Patienten verwenden den Begriff Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit. Patienten gehen mit Symptomen zum Arzt und erwarten von ihm die "Eliminierung" der Symptome. Ärzte "kurieren" Krankheiten oder kümmern sich bestenfalls um die Früherkennung von Krankheiten. Kostenträger erstatten die Behandlung von Krankheiten. Zusammen mit den Standesvertretungen und Politiker verwalten sie weit mehr das Krankheitswesen als an einem Gesundheitswesen mitzuwirken. "Gemessen an den Notwendigkeiten und Möglichkeiten spielen Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland nach wie vor eine nahezu verschwindend geringe Rolle." (2) Noch immer dominiert die ärztliche Behandlung als Fremdinitiative nach dem Motto "Krankenschein gegen Symptomfreiheit". Die notwendige Eigeninitiative zur Gesundheitsbildung und Prävention wird allerorten vermisst. Der 2. Netzwerkkongress der GZMDiese beiden Perspektiven wollen wir deshalb im 2. Netzwerkkongress der GZM mehr in das Bewusstsein naturheilkundlich und ganzheitlich tätiger Ärzte und Zahnärzte bringen. Dieser Artikel dient als Grundsatzartikel. Er soll alle beteiligten Fachgesellschaften, Vortragenden und Referenten sowie die Teilnehmer in die Kongressthematik einführen. Gesundheit und Krankheit als ein Kontinuum Das Leben eines Menschen spielt sich immer in dem Spannungsfeld zwischen
Unwohlsein und Krankheit auf der einen Seite und Wohlbefinden und Gesundheit
auf der anderen Seite ab: Von Unwohlsein und Krankheit will jeder Mensch
weg, zu Wohlbefinden und Gesundheit will jeder Mensch hin. Diese Motive
bestimmen menschliches Denken, Entscheiden und Handeln im beruflichen
wie im privaten Umfeld. |
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Der Mensch schwingt Zeit seines Lebens im Spannungsfeld zwischen Wohlbefinden und Gesundheit auf der einen Seite und Unwohlsein und Krankheit auf der anderen Seite hin und her | ||||||
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Es gibt Lebens- und Arbeitsbedingungen, die uns mehr zu Wohlbefinden und Gesundheit hinbringen, und Lebens- und Arbeitsbedingungen, die uns mehr in Richtung Unwohlsein und Krankheit drängen. Das Ziel ist klar: Jeder von uns sollte sein Leben aktiv so gestalten, dass er sich immer nah bei Wohlbefinden und Gesundheit und fern von Unwohlsein und Krankheit aufhält. Pathogenese Abbildung 2: Salutogenese und Pathogenese Durch präventive Maßnahmen und eine entsprechende Lebensführung
wird in der modernen Medizin versucht, Krankheit zu vermeiden. Wir sprechen
dann von primärer Prävention. Sekundäre Prävention
betrifft die Früherkennung. Tertiäre Prävention ist das
"disease management" chronischer Erkrankungen. So wird auch
der Begriff "Prävention" von der Perspektive der Krankheit
aus definiert.
Abbildung 3: Die „Waage“ In der einen Waagschale liegen die Risikofaktoren (Krankheitsverursachende
Faktoren), in der anderen die Gesundheitsbildenden Faktoren. Überwiegen
die Gesundheitsbildenden Faktoren ist der Mensch eher gesund. Umgekehrt:
Überwiegen die Risikofaktoren, ist der Mensch eher krank.
Zur Umsetzung solcher gesundheitsbildenden Lebens- und Arbeitsbedingungen sind ausschließlich die Kompetenzen der sogenannten Emotionalen Intelligenz notwendig: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Selbstmotivation, Empathie und Beziehungskompetenz. Es ist auch die Aufgabe des Arztes, dem Patienten mit diesen Kompetenzen beizubringen und ihn bei der entsprechenden Lebensgestaltung beratend zu unterstützen. ZusammenfassungDas Leben eines Menschen spielt sich immer in dem Spannungsfeld zwischen Unwohlsein und Krankheit auf der einen Seite und Wohlbefinden und Gesundheit auf der anderen Seite ab: Von Unwohlsein und Krankheit will jeder Mensch weg, zu Wohlbefinden und Gesundheit will jeder Mensch hin. Es sind drei "Vektoren", die einen Menschen in Richtung Wohlbefinden und Glück und weg von Unwohlsein und Krankheit ziehen (Abbildung 4):
Abbildung 4: Die drei „Vektoren“
Derzeit dominiert allerorten die Therapie. Krankheitsvermeidende Lebensführung ist mehr und mehr im Kommen, führt aber immer noch ein Schattendasein. Gesundheitsbildende Lebensführung ist gar ein "seltenes und junges Pflänzchen". Genau umgekehrt müsste es sein: Nur eine gesundheitsbildende Lebensführung kann direkt zu Wohlbefinden und Glück führen. Ihr muss die größte Bedeutung zukommen. Mit dem Titel "Gesundheitsbildung und Krankheitsvermeidung - Zwei komplementäre Perspektiven in der modernen Medizin und Zahnmedizin" will der 2. Netzwerkkongress dazu beitragen, die Prävention und Salutogenese noch mehr ins Bewusstsein von Ärzten, Zahnärzten und Therapeuten zu bringen. Damit aus dem zarten Pflänzchen "Salutogenese" ein großer und stattlicher Baum werden möge. Denn: "Gesundheit ist weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit."
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